Wille

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Begriff

Wille oder Wollen wird fälschlicherweise oft undifferenziert aufgefaßt, so als wäre jede Form von inneren Impulsen der Ausdruck des Willens und des eigenen Wesens.

Die Spannweite der Ungenauigkeit wird klar bei den beiden Beispielen:

  • "Ich will Klavierspielen lernen"
  • "Ich will ein Eis"

Eine genaueres Verständnis von Wille ist notwendig, das einen selbst als verantwortlichen Mensch miteinbezieht:

Wille ist der Ausdruck dessen, was zutiefst dem eigenen Wesen entspricht. Wille ist dabei nur das, was sichtbar wird, also nach der Empfindung unmittelbar wirksam und zielstrebig getan wird. Alles problematisierende und abwägende Nachdenken über Wollen ist nutzlos und verschleiert den Zugang zu echtem Willen und Selbstausdruck.

Willensausdruck als Lebensaufgabe

Die Frage "Was will ich wirklich?" stellt sich im Leben für jeden einzelnen als Lebensaufgabe. Diese Frage wird häufig als zu bedrohlich empfunden und deswegen vermieden. Der Eindruck von Bedrohlichkeit stammt jedoch nicht von der Frage, sondern von einem angehäuften Berg von Erinnerungen an übergangenes Gewissen und bisherige Vermeidung dieser Frage. Formen der Verschleierungen sind z.B. rationalisierende Ablehnung, die Frage sei weltfremd, träumerisch, romantisch oder eine Antwort darauf zu suchen und zu finden sei gefährlich oder sogar unmöglich.

Die Beantwortung der Frage ist aber möglich, und sie kann angegangen werden.

Vermeidung des Willensausdrucks

Die Unterdrückung und Vermeidung des Willens erzeugt einen Charakter, der vorgefertigte, meist von der vorherrschenden Kultur propagierte, äußere Ziele und Vorgaben assimiliert und als scheinbar eigene übernimmt, was aber lediglich zur Beruhigung der drängenden Frage dient. Die Assimilation ist in den seltensten Fällen komplett und macht eine künstliche Spaltung notwendig in einen öffentlichen und privaten Persönlichkeitsteil. Das erzeugt den am häufigsten anzutreffenden Versuch, einen Mittelweg zu finden zwischen Fremdbestimmung, äußeren Anforderungen und als eigen empfundenen Beschäftigungen "zum Ausgleich".

Unterschwellig jedoch wirken die verdrängten Spannungen zwischen Anpassung und Gewissen weiter. Viele Menschen leiden ohne es klar genug zu wissen unter diesen Spannung und werden deswegen psychisch und körperlich krank.

Lösung

Der Wille ist der ursprünglichste und direkteste Ausdruck von einem selbst und zeigt sich spontan als erster Impuls. Zweifel treten erst danach auf, wenn über das eigene Wollen nachgedacht wird, wenn es relativiert und z.B. Sichtweisen anderer miteinbezogen werden. Alle Eindrücke, von äußeren Zwängen eingesperrt oder abhängig zu sein, unterliegen also der eigenen Verantwortung und sind sehr häufig sogar reine Vorstellungen und Denkkonventionen. Um eine Lösung tatsächlich zu erleben, ist es notwendig, ganz neu hinzusehen und die Sicht herumzudrehen: Wo wird die Verantwortung nach außen auf die "Umstände" oder "andere" verlagert?

Für einen echten Willensausdruck gibt es keine Beschränkung. Was jemand will, ist von nichts und niemand abhängig.

Wer dabei noch fürchtet, unmoralisch oder gefährlich zu werden oder andere zu schädigen, hat sich offensichtlich noch gar nicht mit dem eigenen Wollen und Empfinden auseinandergesetzt, sondern hängt noch in selbsterzeugten Abhängigkeiten fest.

Beispiele

Es gibt viele Beispiele berühmt gewordener Menschen, die gar nicht anders konnten, als ihrem Willen und ihrem Gewissen zu folgen, auch entgegen großer Hindernisse. Solche Menschen, die von ihrer inneren Stimme geleitet leben, haben viel Kraft, weil nichts (keine Zweifel und Abwägungen) diese Energie blockiert.

Solche Beispiele können als Inspiration dienen, was einem einzelnen an Kraft und Ausdruck möglich ist, der sich nicht künstlich beschränkt.

z.B.:

Marco Holmer, Daniela Rizzi, 8.6.2009