V wie Vendetta (Film)

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Regie: James McTeigue
Drehbuch: Die Brüder Wachowski

Ein Actionfilm mit politischem und aufklärerischem Hintergrund, der in einer düsteren Atmosphäre eines totalitären, gleichgeschalteten Überwachungsstaates in England spielt. Die Situation erinnert an Orwells "1984" und Huxleys "Brave New World" und enthält Bezüge auf Regime wie Nazi-Deutschland, DDR (Stasi), China. Brisant sind aber besonders die Bezugnahmen auf aktuelle Praktiken der Kriegsführung, Medienkontrolle, Machtverflechtung des Staates mit der Kirche, Überwachung und Angstmache (Krankheiten, Terror, Klima, usw.) in den USA und Großbritannien und der restlichen westlichen Welt - eben auch bei uns.

Der maskierte Rächer V. ist selbst eigentlich nur eine Idee, er hat keine eigene Identität. Er verkörpert die Befreiung der unterdrückten Menschen von einer verrücktgewordenen, abgespaltenen Staatsmaschinerie. Sein Zeichen, das rote V in einem Kreis, erinnert sofort an das (umgedrehte) Symbol für Anarchie. In einer eingeschleusten TV-Ansprache erklärt er, wie jeder einzelne Bürger verantwortlich ist für die aktuellen Zustände, durch die eigene Passivität, Bequemlichkeit und stillschweigende Kooperation.

Interessant finde ich die Gehirnwäsche und Kontrolle der Bürger mittels Angst dargestellt an der hübschen Evey, die trotz besseren Wissens, anfangs die allgemeinen und staatskonformen Parolen und Verhaltensweisen an den Tag legt. Sie wünscht sich, von ihrer Angst befreit zu werden und V. erfüllt ihr den Wunsch im Verlauf sehr unkonventionell, indem er ihr Gefangennahme und Folter vortäuscht. In ihrer Zelle findet sie den versteckten Brief einer wegen Homosexualität Gefangenen vor ihr, der erklärt, wie sie, nachdem ihr alles genommen wurde, es schaffte, an einer unzerstörbaren Selbstwertschätzung und Liebe in ihr selbst festzuhalten. Als Evey später gefaßt und angstlos ihrem Todesurteil ins Auge sieht, wird das Spiel aufgelöst: "Jetzt kennst Du keine Angst mehr". Im Bild der Befreiung geht sie allein hinaus in den nächtlichen dunklen Regen und sieht mit kahlgeschorenem Kopf und dem langen orangen Gefängnishemd sicher gewollt aus wie eine buddhistische Nonne.

Ein starkes Bild ist auch die stille Revolution der Londoner, die in schierer Masse alle mit der gleichen Guy-Fawkes-Maskierung gemeinsam die Stellungen der Soldaten einnehmen und am Ende aus der Masse heraustreten als sie ihre Masken abnehmen.

Die Comicvorlage ist offensichtlich noch um einiges komplexer und reichhaltiger (schön ersichtlich auf der Zeitlinie der Seite über den Film von Craig Klein). Hier sollte nicht vorschnell über einen Comic geurteilt werden, um dadurch den Film als oberflächlich abzutun. Er berührt Themen, bei denen man selbst weitergehen und genauer hinsehen kann. Dann stellt sich die Frage, inwieweit man selbst ebenfalls ein konformer, willenloser Mitläufer ist - nicht nur in einem schwer greifbaren "System", sondern ganz direkt, im Kontakt mit der eigenen, täglichen Umgebung. Wann und wo hemmen mich meine Ängste oder Bequemlichkeiten täglich schon bei den kleinsten Dingen (wie soll das dann bei den großen Themen anders sein?) und inwieweit kompensiere ich das mit Selbstberuhigung oder Resignation ("Was soll ich denn schon tun?" - "Es sind immer die anderen, die dumm sind und alles falsch machen.", usw).

Bemerkenswert sind noch die Andeutungen der befreienden Kraft und Wahrheit von Kunst, Musik (z.B. Tschaikowsky und Beethoven) und Literatur (z.B. William Shakespeare, William Blake, Johann Wolfgang von Goethe).

Marco Holmer, 28.8.2007