Spirituelle Konditionierung

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Gehirnwäsche, Pseudo-Esoterik, Prominentenkult

Gehirnwäsche

Wir unterscheiden hier

  • Gehirnwäsche im Alltagsleben, etwa vermittels der tagtäglichen politischen und kulturellen Propaganda,
  • Gehirnwäsche im Bereich der (vorgeblichen) Spiritualität.

Konditionierung und Gehirnwäsche meinen dasselbe: Beeinflussung anderer Menschen, um sie zur Erreichung bestimmter Zwecke einspannen zu können. Konditionierung macht aus Individuen programmierte Automaten. Erwünscht ist hierbei insbesondere, daß diese Automaten sich vollkommen frei, unabhängig und selbstbestimmt fühlen.


''Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein.

Johann Wolfgang von Goethe


Viele Aktivitäten, die sich als spirituell bezeichnen (man kann hierzu etwa sämtliche Initativen hinzurechnen, die sich der New-Age-Bewegung zurechnen), beanspruchen, den von ihnen geführten Teilnehmern zu mehr Glück, Selbstverwirklichung und Freiheit zu verhelfen. Indessen ist in jedem Fall genau zu prüfen, ob diese Behauptung überhaupt zutrifft. Deshalb ist es wichtig, zu verstehen, wie gerade in diesem Bereich Konditionierung wirkt und mit welchen Methoden sie arbeitet.

Statische Lehren

Statische Lehren erkennt man daran, daß die sufische Richtlinie "Zeit, Ort und Menschen" außer acht gelassen wird. Die Lehre behält immer dieselbe Erscheinungsform. Sie wird zur "Weltanschauung", also zur Ideologie. Bestes Beispiel hierfür sind die erstarrten traditionellen Religionen.

Worte und Methoden sind immer nur bezogen auf den aktuellen Zeitpunkt, in dem sie zur Anwendung kommen, sinnvoll. Die eine Aussage ist zu einem Moment wahr und schon zum nächsten nicht mehr wahr.

Konditionierung erzeugt einen Reflex (jeder kennt das Beispiel mit Pawlow und den Hunden), und genau das passiert mit statisch verwendeten Worten, Parolen, Begriffen, Formulierungen, Glaubenssätzen. Das Wort wird zum Ersatz für die eigentliche Auseinandersetzung mit der jeweils gültigen Bedeutung. Ursache ist die Arbeitsweise des Verstandes: Der Verstand nimmt sich als erstes das Wort und reagiert darauf mechanisch wie ein Computer. Er verarbeitet die bloße "Information", also den abstrakten Gehalt. Die Bedeutung des Wortes ist jedoch etwas, das über den Verstand hinausgeht: sie reicht tiefer, nämlich in alle weiteren Seinsebenen eines Menschen: Gefühl, Instinkt, Triebe, Ängste, Befürchtungen, Hoffnungen, und weiter: Handlungskonsequenzen, gleiche oder womöglich veränderte Verhaltensweisen. Veränderungen in diesen tieferen Seinsebenen benötigen jedoch wesentlich mehr Energie.

Konditionierung nützt als Schwachpunkt die menschliche Trägheit aus, die besagtes Tiefergehen und den dabei benötigten höheren Energieaufwand meidet, es sich also einfacher und bequemer zu machen versucht.

Deshalb ist jedes Individuum aufgrund dieser Zusammenhänge anfällig für Konditionierung, neigt zu reflexhaftem Reagieren und versucht für schwierige Konsequenzen einen leichten Ersatz zu finden.

Warum entstehen Kulte und wodurch werden sie attraktiv?

Der einfachere Weg zum Glück

Unternehmungen, die Konditionierung zu manipulativen Zwecken betreiben, nutzen ebendiesen Effekt aus. Sie konditionieren ihre Anhänger auf einfache Schlagworte, auf bestimmte idolhafte Personen und auf einen ganzen Apparat von miteinander verknüpften Ritualen und Auslösern. Daher der Begriff: Kult.

Jeder Kult verspricht leichtes Glück — den schnelleren, weniger umständlichen Weg zu Glückseligkeit, Befriedigung und Erlösung von den drängenden Problemen des gewöhnlichen Daseins.

Kulte nehmen (unter Ausnutzung obenerwähnter Arbeitsweise des Verstandes) den Menschen die Bürde eines verwirrenden, komplexen, von ständig neuen Entscheidungen geprägten Lebens ab und bieten ihnen einfache Lösungen. Einher geht in der Regel auch eine Erleichterung von der Last eigener Selbstverantwortung. Man erspart sich die alltagsüblichen Zweifel, Selbstzweifel und Unsicherheiten, da man nun ja auf mundgerecht aufbereitete Rezepte zurückgreifen kann.

Entlastung von der Bürde des Alleinseins

Außerdem befindet man sich nun in einer Gruppe, ist also nicht mehr alleine. Dieser Aspekt kann gar nicht überschätzt werden, haben doch die allermeisten Menschen vor kaum etwas mehr Angst als davor, allein zu sein. Und sie empfinden es sogar als noch bedrohlicher, wenn sie mit ihren Gefühlen und ihrem Denken von der großen Masse isoliert sind: daraus entsteht dann einer regelrechte Panik und tiefgreifende Existenzangst. Schwache, anlehnungsbedürftige Charaktere werden daher besondern anfällig dafür sein, einer Gruppe, die ein festgefügtes System von Interpretationen, Handlungsrichtlinien und Orientierungsfiguren bietet, beizutreten und sich dann dort geborgener zu fühlen als im gewöhnlichen Leben.

Der Hasnamuss-Typ des Gurus

Siehe hierzu den Beitrag über den Hasnamuss-Typ und dessen Methode der Manipulation.


Siehe auch:

GLR, 21.9.2008, 20.1.2011