Selbstwertschätzung

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Besinnung auf sich selbst

Selbstwertschätzung bezeichnet den Kontakt zum eigenen Wertempfinden und die Verwirklichung dieses inneren Wissens. Die Wertschätzung führt einen dazu, vor allem anderen zuerst auf sich selbst zu hören, den eigenen Sinnen zu vertrauen, dem eigenen Gefühl und dem tieferen Wollen. Sie ist auf grundlegende Werte im eigenen Leben ausgerichtet und auf das, was immer da war und da ist.

Im praktischen Alltag

Selbstwertschätzung läßt sich als Grundhaltung im Alltag kultivieren. Z.B. kann dazu zählen, gesunde Nahrungsmittel zu essen, auf Ordnung und sein Äußeres zu achten und die eigenen Beschäftigungen daraufhin zu überprüfen, ob sie mit dem übereinstimmen, was im Hinblick auf das eigene Leben als wichtig empfunden wird.

Ein interessanter Punkt, Selbstwertschätzung praktisch kennenzulernen und umzusetzen ist immer dort, wo etwas mehr Anstrengung und Aufmerksamkeit nötig ist, um ein befriedigenderes Ergebnis zu erhalten. Statt sich vorschnell in den Bereich von Wohlergehen fallen zu lassen, bleibt man bis zum Schluß bei einer Sache und erhält die Belohnung in der Form einer inneren Zufriedenheit, die durch nichts anderes zu erreichen ist. Wer sich nach Sinn und Wert sehnt, muß zuerst bei sich selbst verstehen und erleben, was nötig ist, um sie zu erzeugen.

Unterscheidung

Selbstwertschätzung sieht das Nahe, das unmittelbar überzeugt, als wertvoll an. Achtlosigkeit, pompöse Übertreibung, entfernte Versprechungen von Belohnungen und Abkürzungen oder auch haltlose Kritik durchschaut sie als substanzlos. Hinter ihr steht eine Stärke, dem Wertempfinden in einem selbst treu zu bleiben. Wer das kennt, läßt sich nicht mehr von falschen Glücksversprechungen verwirren und macht sich nicht zum Opfer von Erwartungen. Denn er versteht den Zusammenhang, wie eigene Wunschprojektionen in die Irre führen.

Selbstüberprüfung

Lebendige, nicht statische Selbstwertschätzung beinhaltet eine bewegliche, aufmerksame Selbstüberprüfung, die zwischen authentischem eigenen Empfinden und sturer Erstarrung in einer vorab festgelegten Sichtweise zu unterscheiden vermag: Wer in sich einen Wert verspürt, wird diesen auch bei auftretenden Konflikten und Fragestellungen für sich überprüfen können - besser gesagt: sogar müssen -, statt automatisch in eine festgelegte Sichtweise zu verfallen. Diese Überprüfung ist immer neu und frisch und bringt einen in Kontakt mit der Situation und sich selbst.

Mit der Zeit führt diese Haltung dazu, die eigenen Ansichten von Grund auf durchzugehen. Inwieweit stimmen sie mit der Wirklichkeit und dem eigenen Empfinden überein, oder handelt es sich um unhinterfragt übernommene, dogmatische, moralische oder auf sonstige Weise erstarrte Leitlinien? Hier besteht eine Chance zu ganz persönlichen Aufschlüssen.

Selbstwertschätzung und andere

Wenn die eigene Linie klar ist, kann überprüft werden, was sie mit anderen zu tun hat. Durch die innere Klarheit ist es dann gleichgültig, ob sie von anderen angenommen oder abgelehnt wird. Auf äußere Umstände wird dann zwar mit konkreten Handlungen eingegangen, aber die Grundausrichtung kann nicht verraten werden, weil sie auf einer authentischen Basis steht.

Durch die Rückbesinnung auf das eigene Empfinden verlieren außenliegende Augenmerke und Projektionen an Wichtigkeit, z.B. wie man auf andere wirkt (siehe auch: Innerliches Sich-Richten). Dadurch werden Lebensäußerungen befreit, die vorher aus falscher Scham oder Angst unterdrückt wurden. Es kommt zu einem harmonischeren Fluß der Lebenskraft.

Der Zusammenhang mit Selbsterkenntnis

Selbstwertschätzung führt zu einer tieferen Beschäftigung mit der eigenen Lebensausrichtung, die die unnötigen Selbstbeschränkungen auf die Eigenschaften und Grenzen der Persönlichkeit auflöst.

Durch die Wertschätzung des eigenen direkten Empfindens verlieren Projektionen ihren Antrieb und fallen langsam weg. Dadurch wird es möglich, die tiefe Verbindung und Ganzheit wiederzuerkennen, die unter falschen Vorstellungen verdeckt war.

Marco Holmer, 24.2.2009