Ramana Maharshi

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Indischer Advaita-Lehrer (1879-1950)

Ramana Maharshi (ca. 1940)

Innere Verwandlung

Als 16-jähriger widerfuhr Maharshi ein Todeserlebnis, bei dem ihm bewußt wurde, daß er nicht der Körper war. Diese Erfahrung krempelte sein Leben völlig um; er verließ seine bisherige Lebensumgebung und wurde zum Einsiedler, der bis zu seinem Lebensende nur noch in direkter Nähe zum Berg Arunachala [1] lebte. Dieser Berg galt schon zu jener Zeit in Indien als bekanntes Wallfahrtsziel und „Kraftplatz“, gelangte aber schließlich durch ihn zu einer noch größeren Berühmtheit.

Maharshis Lehre vom Selbst

Maharshi verweist bei seinen Aussagen stets auf das Selbst als Grundlage allen Seins. Er betont, daß jeder mit diesem Selbst identisch sei und daß es nur ein Selbst gebe, im Gegensatz zu den alltagsüblichen Vorstellungen von verschiedenen Ichs (oder persönlichen, individuellen, räumlich unterschiedenen Selbsten).

Demnach schiebt sich die Identifizierung mit dem individuellen Ich bzw. Selbst, die auf der Identifikation mit dem eigenen Körper und seinen Wahrnehmungen beruht, wie eine trennende Wand vor die ganzheitliche (nicht-dualistische) Gewahrsamkeit. Auf ihrer Grundlage entwickelt sich das Ego als falsches Selbstbild, das sich einbildet, es könne über seine Umgebung Kontrolle ausüben: es könne eigene Entscheidungen treffen und sich eigene Wünsche erfüllen. In der Folge geht es dann nur noch um die Befindlichkeit der Person, ihren Stolz und ihre Neigungen, Leidenschaften, Sehnsüchte, um den Erwerb von Macht, Prestige, die Anhäufung von Reichtümern usw.

Als weitere Konsequenz entsteht der Konflikt mit den als getrennt empfundenen „Anderen“: es kommt zu Beziehungsproblemen und Streitigkeiten. Der „Andere“ wird einerseits zum Anlaß von Ärger und Streß und soll zum anderen für instinktive, emotionale und nicht zuletzt auch sexuelle Gratifikation sorgen.

Die Selbstidentifikation als Individuum führt zu einem unablässigen, niemals endenden inneren Dialog rund um das Wort „Ich“: „Ich fühle mich schlecht …“, „Ich finde, daß ..“, „Ich brauche…“, „Ich liebe..“, „Ich hasse …“, „Ich muß …“, „Ich kämpfe dafür, daß …“ usw.. Es ist äußerst hilfreich, im Alltag zu beobachten, wie oft und in welchem Zusammenhang dieses Wort benützt wird, um zu verstehen, was gemeint ist. Durch seine Überbetonung gerät die Wahrnehmung des Selbst in den Hintergrund, etwa so, wie man den Grund eines Teiches nicht mehr erkennen kann, wenn der Wind seine Oberfläche kräuselt.

Maharshi geht es um die Befreiung von diesem zwanghaften Ablauf, um das immer vorhandene Selbst erkennen und darin eintauchen zu können. Seine Lehre zielt also nicht auf die Aneignung eines neuen Wissens oder Verhaltens ab, sondern auf die Vernichtung der Identifikation mit dem „Ich“ und das Aufgehen in der Einheit des Selbst, die in Wahrheit nie verloren gegangen ist.

Die Methode der Selbstergründung

Als Fingerzeig der Selbstfindung, weniger als „Technik“, empfiehlt er die Selbstergründung mittels der Frage „Wer bin ich?“. Sie läuft so ab, daß bei jeder Regung, die das persönliche Ich zeigt, zurückverfolgt wird, aus welcher Quelle sie stammt, also z.B.: „Wer wünscht … ? Wer ärgert sich? Wer strebt nach…? Wer handelt?“ usw.

Werke

  • Ramana Maharshi: „Gespräche des Weisen vom Berge Arunachala“ , Ludwig, ISBN 3-7787-8189-8, (Amazon-Link)
  • Ramana Maharshi: Wer Bin Ich? - (Nan Yar), Die Lehre des Bhagavan Sri Ramana Maharshi, Übersetzung aus dem Tamil ins Englische, von T.M.P. Mahadevan, published by Sri Ramanasramam, India (vollständiger Text im Web unter dem Link zu finden)
  • Ramana Maharshi: Selbst-Erforschung, Übersetzung des Originals aus dem Tamil ins Englische von T.M.P. Mahadevan, published by Sri Ramanasramam, India (vollständiger Text im Web unter dem Link zu finden)

Weblinks

Anmerkungen

  1. Arunachala - Holy Mountain, zahlreiche Fotos; Arunachala (Wikipedia)
Götz Vollweiler, GLR, 7.6.2008, 20.3.2010