Kulturprägung und Konditionierung

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Das Zustandekommen und Wirken der Prägung

Je nach der Kultur, in der er aufwächst und von seinen Eltern und den staatlichen Ausbildungsanstalten beeinflußt und erzogen wird — die Massenmedien auch nicht zu vergessen —, werden beim jungen Menschen entsprechende Verhaltensrollen und Denkweisen etabliert, nach denen er mehr und mehr automatisch zu denken und zu handeln beginnt. Die Konditionierung tritt zunehmend an die Stelle des eigenen, natürlichen und authentischen Empfindens und Fühlens.

Man sollte klar unterscheiden zwischen dem, was ein Mensch selbst möchte und dem, was andere von ihm erwarten bzw. was die Gesellschaft als normgerechtes Verhalten von ihm abverlangt. Zumeist gibt es hier einen deutlichen inneren Widerstreit, der bei den meisten Menschen lebenslang anhält und zu verschiedenen Versuchen führt, sich damit zu arrangieren — sei es durch innere Resignation, durch Aufspaltung der Lebensweise in eine private und eine öffentlich zur Schau gestellte Persönlichkeit, durch Rebellion und Aufbegehren, durch psychologische Probleme und Leiden, oder eben auch durch den Versuch, sich auf religiöse bzw. spirituelle Wege der Selbstfindung und Befreiung zu begeben.

Das Grunddilemma jedes Menschen

Diese Aufgabenstellung, den inneren Widerspruch zwischen eigenem Wollen und Wollen der Gesellschaft zu bewältigen, ist allen Menschen gemeinsam. Es wird aber darüber in der Öffentlichkeit nur selten oder sogar niemals gesprochen; stattdessen stellt jede Kultur ein umfassendes Repertoire der Beschwichtigung, Betäubung oder Unterdrückung bereit (Stichwort „Unterhaltung“), um davon nach Möglichkeit abzulenken. Politische, wirtschaftliche oder religiöse Interessengruppen versuchen ihre jeweils eigenen Antworten für das Problem der Selbstentfremdung in den Vordergrund der Aufmerksamkeit zu rücken und verfolgen damit ihre jeweiligen Ziele, die prinzipiell von den ursprünglichen individuellen Interessen des Menschen verschieden sind. Mit anderen Worten: Der Mensch steht allein einem übermächtigem Einfluß gegenüber, der ihn zu fremden äußeren Zwecken benutzen möchte.

Angebote der spirituellen Befreiung und Selbstfindung

Angebote zur Entkonditionierung sind äußerst selten und arbeiten zumeist im Verborgenen. Sie sind beschränkt auf lebendige, authentische Wege der Wahrheitssuche und der Selbstfindung, die sich nur unter bestimmten günstigen Bedingungen herausbilden und zu Arbeitsgruppen führen. In der Öffentlichkeit bekannt sind Aktivitäten unter Namen wie “Zen und Zen-Meditation“, “Advaita“, “Tantra“, “Sufi-Schulen“, Schamanenschulen und -Wege sowie Schüler und Nachfolger von Wilhelm Reich; weniger bekannt sind Unternehmungen des “Vierten Weges“ (nach Gurdjieff und Ouspensky) sowie weitere Geheimschulen und -Gruppen.

Zu berücksichtigen ist, daß es sich beim größeren Teil der öffentlich bekannten Aktivitäten um imitative, verkümmerte, erstarrte und daher dogmatisch wirkende Richtungen handelt (das beste und naheliegendste Beispiel hierfür sind: 1. die traditionellen Kirchen sowie 2. die bekannten profit- oder machtorientierten Kulte und Sekten). Erkennen lassen sich alle derartigen Richtungen daran, daß sie entweder herkömmliche traditionelle Prägungen und Konditionierungen noch verstärken oder bloß durch andere, abgewandelte Formen ersetzen. Gültige spirituelle Aktivitäten hingegen sind daran zu identifizieren, daß sie die Abhängigkeit von geistiger Konditionierung und Mechanisierung abschwächen, während sie die natürliche Wesensart des Menschen bestärken und diesen zur Bewußtheit seiner selbst führen.

Gerd-Lothar Reschke, 19.10.2007