Cookies helfen uns bei der Bereitstellung von Neue Religion Wiki. Durch die Nutzung von Neue Religion Wiki erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies speichern.

Ludwig van Beethoven

Deutscher Musiker und Komponist (1770-1827)

Ludwig van Beethoven (1770–1827); Gemälde von Joseph Karl Stieler, 1820

Goethe über Beethoven

„Zusammengefaßter, energischer, inniger habe ich noch keinen Künstler gesehen. Ich begreife recht gut, wie er gegen die Welt wunderlich stehn muß.“ — Johann Wolfgang von Goethe, am 19. Juli 1812 aus Teplitz an seine Frau Christiane.

Zu Beethovens Kindheit

Vielleicht das, was Beethovens Musik am meisten vermittelt, ist seine eiserne Willenskraft, die er in sich gefunden hat, trotz eines nicht leichten Lebens. Diese Kraft ist für jedermann inspirierend. Schon ganz früh hat Beethoven Schmerz in der Familie kennengelernt. Ludwigs Vater, ein frustrierter Mann, wollte aus dem Knaben ein zweites Wunderkind machen (so wie Mozart es war). Er unternahm etliche Übungsstunden mit Ludwig, bei denen er nicht besonders liebevoll mit ihm umgegangen zu sein scheint - vor allem unter dem Einfluß von Alkohol. Mehrmals wurde Ludwig von seinem Vater nachts geweckt, der seinen betrunkenen Freunden zeigen wollte, was für ein Wunderkind er als Erzieher „geschaffen“ hat.

Es dauerte nicht lange, bis dem jungen Burschen klarwurde, daß sein Vater ihn nichts mehr lehren konnte. Er spürte dadurch schon ganz den Sinn für eigene Verantwortung. Als Jugendlicher wurde er praktisch Familienvater seiner beiden jüngeren Brüder, da der alkoholkranke Vater nicht mehr richtig für den Unterhalt der Familie sorgen konnte. Beethoven organisierte sich so, daß die Hälfte der Pension des Vaters direkt an ihn bezahlt wurde, so daß der Vater das Geld nicht mit Trinken verschwenden konnte. Trotz der Belastung folgte Beethoven immer weiter seinem Ziel, sich als Musiker auszubilden. 


Wien

Im Jahr 1787 verließ Beethoven Bonn Richtung Wien. Er hoffte darauf, Mozart kennenzulernen und vielleicht bei ihm Unterricht zu bekommen. Er brach die Reise jedoch ab, als er erfuhr, daß die Mutter schwer krank geworden war. Sie starb einige Monate später und Beethoven blieb noch 5 Jahren in Bonn, in der Rolle des Familienvaters, um erst dann wieder nach Wien aufzubrechen. Mozart war inzwischen gestorben und als Beethoven in Wien ankam, studierte er schließlich bei Haydn.

Als er in Wien Fuß faßte und endlich sein eigenes Leben führte, bekam er einen Brief des Bruders mit der Nachricht der Beerdigung seines Vaters. Er reagierte nicht darauf. Seine Geschwister waren jetzt schon alt genug und er selbst hatte seinen eigenen Weg zu begehen.

In Wien lernte Beethoven viele Musiker kennen und durch den Kontakt zu Haydn auch mehrere Musikmäzene. Am Anfang war Beethovens Ruf der eines Klaviervirtuosen, erst später zeigte er sein Talent als revolutionärer Komponist. Nicht nur für die Konzerte sondern auch als Klavierlehrer von adligen jungen Damen verdiente er seinen Unterhalt. Dabei erlebte er Enttäuschungen auf der Suche nach einer Frau. Die höheren Töchter bewunderten ihn zwar als Musiker, doch von echter Liebe war nicht die Rede - alle waren in den Moralvorstellungen und Konventionen gefangen und suchten „eine gute Partie“ zum Heiraten, die sie finanziell bis zum Ende des Lebens unterstützen würde; und dazu war der Musiker Beethoven doch nicht wohlhabend genug.

Von seiner „unsterblichen Geliebte“, mit der er ernsthaft sein Leben geteilt hätte, mußte er sich auch trennen. Außerdem erlebte Beethoven eine ganze Reihe von Enttäuschungen, unter anderem den Streit um das Sorgerecht seines Neffen Karl, das er später erhielt, aber nicht ohne viele Schwierigkeiten mit der Erziehung des Jungen zu haben. Vor allem aber litt er unter dem schmerzhaften Prozeß des Taubwerdens, das ihm sowohl physisch als auch seelisch ab dem Alter von etwa 30 Jahren quälte.

Freude am Improvisieren

Wie nah Beethoven an seinem Herzen war zeigt seine Freude am Improvisieren. Er hatte keine strategische Herangehensweise an Musik, sondern wußte nur, daß Fleiß und Hingabe sehr wichtig waren. Schon als Kind experimentierte er, aus den geschriebenen Sätzen auszubrechen und entdeckte mit Vergnügen die Freiheit der spontanen Tonenschöpfung und zahlreiche Variationen. Das wurde von dem strengen Vater nicht geschätzt, in Gegenteil, er meinte sein Sohn würde dadurch nur Zeit verlieren, indem er auf dem Klavier „dummes Zeug durcheinanderkratzte“ [1], statt die Übungen zu machen.

Carl Czerny, österreichischer Komponist, Pianist und berühmter Klavierpädagoge, sagte über Beethoven: „In dem jungen Menschen steckt der Satan. Nie habe ich so spielen gehört! Er phantasierte auf ein von mir gegebenes Thema, wie ich selbst Mozart nie phantasieren gehört habe.“ [2] Durch seine improvisierende Kraft entfaltete Beethoven nicht nur seine musikalischen Fähigkeiten, sondern auch eine unzähmbare Art, die nicht anders konnte, als aus dem Bauch heraus zu agieren. Es war damals nicht anders als heute: Zorn und Wut wurden generell ganz negativ gesehen, vor allem in den adligen Kreisen, wo Beethoven sich bewegte und „gute Manieren“ höher als spontaner Ausdruck geschätzt wurden.

Die Taubheit

An einem Brief an Franz Gerhard Wegeler in Bonn (1801) schrieb Beethoven: „Nur hat der neidische Dämon, meine schlimme Gesundheit, mir einen schlechten Stein ins Bett geworfen, nämlich: mein Gehör ist seit drei Jahren immer schwächer geworden… Ich kann sagen, ich bringe mein Leben elend zu, seit zwei Jahren fast vermeide ich alle Gesellschaften, weil's mir nicht möglich ist, den Leuten zu sagen: «Ich bin taub.» - Hätte ich irgendein anderes Fach, so ging's noch eher; aber in meinem Fache ist das ein schrecklicher Zustand.“

Als Kind schlief Beethoven in einem ungeheizten Zimmer, was vermutlich zu einer Mittelohrentzündung geführt hat, die die Eltern nicht wirklich bemerkten und später zu seiner Taubheit beigetragen hat. Es besteht auch die Vermutung, daß die Taubheit mit seiner Bleivergiftung zu tun hatte. Der Grund dafür ist aber nicht wirklich relevant, viel wichtiger ist, daß Beethoven trotz elender Zeiten dieser massiven Einschränkung nicht erlegen ist und sich aufgegeben hat, ganz im Gegenteil.

Als Beethoven erfuhr, daß er langsam taub wurde, isolierte er sich aus Angst, andere würden es bemerken. Er lebte lange mit diesem Geheimnis, das er nur wenigen Freunden mitteilte. Aber genau dieses Geheimnis, womit er durch die Hölle ging, inspirierte ihn dazu, sich nicht endgültig der Melancholie und der Resignation zu ergeben, sondern die Freude in seinem Innersten zu suchen. Diese Kraft fand er und vermittelte sie der ganzen Welt in seiner 9. Symphonie.

Ode an die Freude

Dauernde kranke Mutter, Vater Alkoholabhängiger, eine nicht richtig behandelte Entzündung, die später zum Ertauben beitrug, Bleivergiftung, quälende und fremde Ohrengeräusche, die sich mit den kreativen Tönen seiner Musik im Kopf vermischten, unerwiderte Liebe, Unverständnis seiner Mitmenschen, gescheiterter Versuch als Vater und doch schrieb er die Ode an die Freude.

Obwohl manche beschreiben, Beethoven würde durch seine 9. Symphonie von dem Wunsch eines glücklichen Leben träumen, doch steht sie für mich für etwas ganz anderes. Durch die von Freude entflammten Tönen der 9. Symphonie drückte er den sehr persönlichen und individuellen Sieg des Herzens über alle Enttäuschungen und Ängste aus. Mit Träumerei hat das nichts zu tun, sondern mit dem realsten und naheliegendsten Wert eines Menschens: seine innere Kraft.

Ein Mensch mit starkem Wille

Oft wird Beethoven als zorniger Mann porträtiert, das ist aber eine einseitige Auffassung seines Charakters. Beethoven war ja ein Kämpfer, einer der sich nicht versteckt hat und sich leidenschaftlich für die Freiheit eingesetzt hat: die eigene Freiheit über alles. Als Knabe hatte er schon die Erfahrung gemacht, daß er diese in der Musik finden konnte, auch wenn Musik machen für ihn immer mit Anstrengungen und Angriffen auf die eigene Person verbunden war - der Vater projizierte stark auf das Kind, den Erfolg den er als Musiker selbst nicht erworben hat. Dadurch verstand Beethoven, daß er allein die Verantwortung für sein eigenes Glück in die Hand nehmen mußte; er verließ sich nicht auf andere und ging immer seinen ganz eigenen Weg - egal wie mühsam und lang der war und wie viel Kraft es ihn kostete.

Beethoven ging auch keine faulen Kompromisse ein und blieb sich selbst treu. Mit 23 schrieb er in dem Stammbuch von A. Vocke aus Nürnberg: „Wohltun, wo man kann! - Freiheit über alles lieben! - Wahrheit nie, auch sogar am Throne nicht, verleugnen!“. Ich kann mir gut vorstellen, daß er deswegen oft von seinen Mitmenschen mißverstanden wurde: Ein Mann mit so einem starken Wille ist für die meisten kaum zu ertragen; es war für Beethovens Mitmenschen bestimmt bedrohlich, mit so jemandem zu tun zu haben, sie wurden dadurch ständig an den eigenen falschen Kompromissen und starren Ängsten erinnert.

Wirkung von Beethovens Musik

Mit Beethovens Musik verbinde ich Kraft, Freude und Mut zum Leben. Seine Töne inspirieren die Rückkehr zum eigenen Licht. Jeder kann das Experiment machen, Beethoven in einem Zustand der Kraftlosigkeit zu hören und zu beobachten, was passiert. Es ist beinahe unmöglich, von seinen ehrlichen musikalischen Aussagen unberührt zu bleiben.

Aus Beethovens Musik spricht ein revolutionärer und sich widersetzender Geist. Es geht nicht bloß ums Protestieren, sondern um das Entdecken neuer Möglichkeiten und Wege, um das Verlassen des sicheren Hafens der Persönlichkeit. Die energischen und kräftigen Tönen sind nicht alles, was in Beethovens Musik zu finden ist, sondern auch Zärtlichkeit und Weichheit begegnen einem in seinen Kompositionen. Humor kannte Beethoven ebenfalls, was in vielen seinen Stücken zu spüren ist - wie z.B. die 8. Symphonie. Er war wohl ein Mensch, der über sich selbst lachen konnte.

Bei Beethovens Musik geht es nicht um „heftige“ Stimmungen; etwas viel Tieferes spricht heraus. Man spürt unmittelbar, daß er gelebt hat, was er geschrieben hat. Kein Wunder, daß er sich energisch weigerte, an seinen Werken nach Anfrage anderer herumzubasteln: Er schrieb keine Note, ohne sich über deren Wirkung und Bedeutung bewußt zu sein.

Fußnoten und Quellen

  1. Martin Geck, Ludwig van Beethoven, überarbeitete Neuauflage, Reinbek: Rowohlt Verlag, 2001. Probetext: http://www.rowohlt.de/fm/131/Mono_Beethoven.pdf
  2. C. Czerny: Erinnerungen aus meinem Leben. Strasbourg, 1968.

Stückbeschreibungen

Daniela Rizzi, 19.04.2010