Humor: echt oder nur vorgetäuscht?

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Scherze sind in der Gesellschaft häufig und üblich anzutreffen. Schon ein kleiner, humorvoller Scherz kann z.B. in einer angespannten Situation Erleichterung auslösen und ihr somit eine übertriebene Ernsthaftigkeit und Befangenheit nehmen. Scherze sind aber manchmal auch mit persönlichen Motiven behaftet, die Menschen verletzen oder lächerlich machen. Oft erkennen die Menschen nicht, wann es sich um echten oder falschen Humor handelt.

Die versteckte Absicht hinter Aprilscherzen

Beliebt sind z.B. Aprilscherze, die alle Jahre wiederkehren und vom Mitläufertum nicht hinterfragt werden. Blind wird drauflos gescherzt, um andere auf den Arm zu nehmen. Wer macht sich schon klar, was bei solchen Scherzen überhaupt passiert: Es werden Menschen angelogen, um ihnen nach starker Betroffenheit doch noch die Wahrheit zu sagen. Man amüsiert sich auf Kosten anderer. Menschen, die einem vertrauen, trifft man mit solchen Täuschungen am tiefsten, denn sie vertrauen einem am meisten und rechnen daher am wenigsten mit einer Lüge.

Das Ziel derartiger Scherze ist nicht, wie fälschlich behauptet, Freude oder „Lockerheit“, sondern Schadenfreude. Dieses Beispiel zeigt deutlich, wie der Drang zu ungezwungener Fröhlichkeit zu einem falschen Lügen-Spiel verleiten läßt. Was geht in einem Menschen vor, der über andere lacht? Er amüsiert sich auf Kosten anderer, denn über sich selbst zu lachen kommt nicht in Frage. Über andere zu lachen lenkt von ihm selbst ab, und so braucht er sich und seine eigenen Fehltritte und Charakterschwächen nicht anzuschauen. Ein Mensch, der einen schlechten oder makabren Witz über oder mit einem anderen macht, kennt kein Mitgefühl, ist bis zu einem gewissen Grad bereits abgestumpft und von sich selbst sehr weit entfernt. Er versucht lediglich, seine innere Unsicherheit und Frustration zu vertuschen.

Menschen, die es genießen, andere lächerlich zu machen, versuchen sich damit besser und mächtiger als diese zu fühlen. Hinter ihrem nur vorgetäuschten Humor verdeckten sie ihre Häme und Gehässigkeit, und damit drehen sie den Sinn des Humors in sein genaues Gegenteil um. Und das auch noch auf eine sehr hinterhältige und verschlagene Weise, denn sie können ja immer noch behaupten: „Das war doch alles nicht so gemeint! Es war doch nur ein Spaß!“ Und wer darüber nicht lachen könne, sei eben ein Sturkopf und habe eine falsche, viel zu ernste Lebenseinstellung.

Lustigkeit als Mittel der Selbsttäuschung

Viele Menschen zwingen sich in bestimmten Situationen zur Lustigkeit, insbesondere um tiefere Gefühle, Selbstgewahrwerdung in Stille und Besinnung oder auch unbehagliche Umstände zu meiden und vor ihnen in vordergründige Effekthascherei zu flüchten. Menschen des besonders schwermütigen und unterdrückten Typs setzen häufig auch Stimulanzien wie Alkohol ein, um eine künstliche „Ausgelassenheit“ zu erzeugen, durch die sie von ihren eigenen inneren Widersprüchen und Unstimmigkeiten ablenken können. Im üblichen Gesellschaftsleben wird nicht unterschieden zwischen derartigem „Spaß“ und echter Freude, sondern um die Falschheit der künstlichen und bemühten Lustigkeit (siehe Karneval, Fasching) zu kaschieren, wird eines mit dem anderen gleichgesetzt. Das hohle Getue geht stets mit einer Zunahme an Druck und Lautstärke einher. So werden dann „Spaß“, Lustigkeit und „Happiness“ zu falschen Masken; das ständige Grinsen und Witzeln strengt an, und kaum verläßt der Betreffende den Ort seiner Schauspielerei, so fällt auch schon das Lächeln wieder aus seinem verkrampften Gesicht.

Merkmale echten Humors

Humor ist nur dann echt, wenn er mit einer tieferen inneren Bejahung der Situation einhergeht und wenn er mit einem Sich-Öffnen und Sich-Zeigen einhergeht. Es ist ein spontaner Charakterzug, der von Herzen kommt und mit Wärme ausgedrückt wird. Ein ehrlicher Mensch ohne Macht- und Dominanzinstinkt wird auch bereitwillig über sich selbst lachen, anstatt sich über seine eigenen Peinlichkeiten zu grämen oder unnötig Gedanken zu machen. Herzlich über eigene Schwächen oder Fehltritte zu lachen, nimmt der Situation oft die überbewertete Wichtigkeit und das Beschämende.

Tatiana Sallaum, Gerd-Lothar Reschke, 15.4.2008, 7.5.2008, 13.5.2008