Helmut Newton

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Ein Eindruck von der Ausstellung "Newton Nachtwey LaChapelle: Men, War & Peace"

Newton ist vor allem als Mode- bzw. Frauenfotograf bekannt, aber hier wurden ausschließlich von ihm angefertigte Portraits berühmter und weniger berühmter Männer gezeigt. Und diese Fotos hatten es in sich. Gezeigt wurden hier nämlich keine auf Schein getrimmte Situationen, sondern ganz einfach der jeweilige Mann, so wie Newton ihn sah. Zwar wurde schon mitunter die typische Pose gezeigt, etwa Mick Jagger vor einem Mikrofon, und es handelte sich doch auch teilweise um sehr suggestive Posen, etwa Helmut Kohl vor dem dicken, mächtigen Baumstamm, aber all das blieben reine Äußerlichkeiten, herumdrapiert um die unverstellten Gesichter der Fotografierten. Es kam mir so vor, als wären die (gestellten) Äußerlichkeiten nur dazu da, das Innere dieser Menschen noch mehr hervorzuheben, indem es mit den Klischees kontrastierte.

Es war der Blick in das Innere dieser Menschen.

Das Bild, das mich am meisten traf, war ein Porträt von Salvador Dalí, wie er in einem offensichtlich prunk- und geschmackvoll eingerichteten Salon mit künstlicher Sauerstoffzufuhr (wahrscheinlich schon schwerkrank) in einem Rollstuhl sitzt, gekleidet in einen Morgenmantel, und mit einem unvergleichlich irr-konzentrierten Blick in die Kamera schaut. Dieses Foto erklärte für mich alle Bilder, die dieser Maler je gemalt hatte. Mir wurde auf einmal klar, daß all das, was dieser Künstler schuf (stellvertretend für alle anderen großen Künstler, für die dasselbe gilt) kein Werk war, das einfach so nebenher lief, sondern daß der Maler jede Faser seines Daseins damit verschmolz - dermaßen, daß er selbst noch in seinen letzten, siechen Lebensjahren als Mensch nicht von ihnen trennbar war. Es war einfach unverkennbar: das war Dalí. Das war sein Wesen.

Und wahrscheinlich war es das was mich an den Bildern von Newton so bewegte: hier war der Versuch unternommen worden, den Wesenskern der Portraitierten zu erfassen, nicht ihre Person.

Götz Vollweiler, 2.2.2007