Hasnamuss

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Definition

Nach Gurdjieff ein Menschentyp, der einen spirituellen Erkennntnisweg beschritten hat und dabei gewisse tiefere Einsichten erfahren hat. Diese verführen ihn zu der Überzeugung, nun etwas Besonderes geworden zu sein. Mittels seines gewonnenen Wissens und seiner Erfahrung kann er sich anderen Menschen gegenüber als überlegen präsentieren und sie durch Machtgesten einschüchtern oder durch charismatische Rhetorik zur Bewunderung anregen.

Es richtet sich also bei diesem Typ alles, was er scheinbar hinzubekommen hat, nur umso gefährlicher gegen ihn. Der Grund liegt darin, daß Reste des Egos übriggeblieben sind, die sich nun umso hemmungsloser spreizen, je mehr Selbstzweifel, Angst, Unsicherheit oder Gewissensskrupel abgenommen haben.

Endgültige Unerreichbarkeit als Haupteigenschaft

Die entscheidende Achse dieses Typs ist seine Unerreichbarkeit. Er wird quasi Opfer seines eigenen Fortschritts. Dieser versperrt ihm den Weg, zurück in die Niederungen der Demut zu gelangen, die Voraussetzung für jegliches Lernen sind.

Einige haben sich ihr Verständnis aus einer Mixtur von Bücherwissen und eigenen Lebenserfahrungen gezogen, andere haben kurzfristig an Inneren Schulen teilgenommen, sich dann aber in einer für ihr falsches Selbstbild gefährlichen Phase abgeseilt und aus den Fragmenten des dort gewonnenen Wissens eine eigene Version der erhaltenen Lehre zusammengebraut.

Laut Gurdjieff ist der Hasnamuss nicht mehr "zu knacken"; nichts und niemand kann ihn gegen seinen Wahn und seine extreme Egozentrik kurieren. Es müßte ihm schon ein schrecklicher Schicksalsschlag passieren oder der Tod ihn heimsuchen, um das monströse Spiel zu beenden, zu dem ihn seine unbewußten Antriebe nötigen.

Seine Gefährlichkeit

Gefährlich ist dieser Typ deshalb, weil er keine Skrupel mehr kennt, wie sie z.B. den moralisch konditionierten Durchschnittsmenschen noch von radikaler Durchsetzung egozentrischer Ansprüche abhalten. Er hat auch keinerlei Vorbehalte, wenn es darum geht, andere Menschen für seine Ziele zu benutzen, ähnelt darin also dem gewöhnlichen politischen Tyrannen oder Diktator. Im Gegensatz zu diesen benötigt er aber keine Gewalt, um seinen Willen anderen aufzuzwingen, sondern erreicht dies auf einem scheinbar sanften Weg, allein über Gedankenkontrolle und subtile ideologische Manipulation. Ein typischer Trick, den er dabei anwendet, ist die Methode des "Double bind" (näheres siehe dort).

Da der Manipulator, in diesem Fall also der Hasnamuss, seine ganze Vermittlung und Lehre auf die eigene Person abstellt, erreichen selbst richtige Hinweise keinen befreienden Effekt. Die Selbstverantwortung des Geführten wird geschwächt, nicht gestärkt. Statt unabhängiger zu werden, wird er abhängiger. Am Ende kann die Wirkung sogar darauf hinauslaufen, daß regelrechte Suchteffekte auftreten.

Beispiele

Beispiele für den Typus des Hasnamuss finden sich in der spirituellen "Szene" zuhauf. Die Person des Osho alias Bhagwan Shree Rajneesh bietet reichhaltiges Studienmaterial für Manifestationen eines eitlen Strebens nach Personenkult sowie einer rücksichtslosen Selbstherrlichkeit. Die New-Age-Szene des ausgehenden letzten Jahrtausends weist geradezu eine Kommerzialisierung dieses Typs in einem Psycho- und Pseudoesoterik-Markt auf, wo sich zuhauf die "Wissenden" tummeln, die auf alle Fragen des Lebens eine wohlfeile Antwort haben, sich aber weiter nicht mit alltagsüblichen Problemen die Finger schmutzig machen möchten.

Internetforen sind voll von "Wissenden" und "Erleuchteten", die ihr eigenes Selbstgefühl damit päppeln, anderen — meistens ungefragt — ihre Ratschläge zu erteilen. Derartige Figuren vermeiden es geschickt, sich jemals von einer Seite zu zeigen, in der Schwäche, Hilflosigkeit und Verletztheit vorkommen.

GLR, 20.9.2008, 20.1.2011