Das Mädchen, das durch die Zeit sprang (Film)

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Japanischer Zeichentrickfilm (Anime) des Studios Madhouse aus dem Jahr 2006


Liebe und Vermeidung

Äußerlich als Pubertätsstudie kategorisierbar, handelt es sich hier um einen auf mehreren Bedeutungsebenen zu entschlüsselnden Film. Der entscheidende Gegenpol zur Liebe ist im Leben nicht nur der Hauptfigur, sondern überhaupt jedes Menschen die Vermeidung. Die Möglichkeit, sich durch gewollte Zeitsprünge aus peinlichen Situationen zu hieven, verführt dazu, es sich mit der Vermeidung leichter machen zu wollen. Dies hat aber auf der anderen Seite Konsequenzen, die sich nach und nach als immer schädlicher entpuppen.

Daher ist das Interessante an diesem Anime-Film, daß er eine existentielle Grundsituation beschreibt, die hier nur scheinbar unwirklich ist. Im Alltagsleben findet die Flucht durch "Zeitsprung" mindestens genauso häufig statt, nämlich durch den Haupt-Mechanismus des Verstandes, sich aus dem Jetzt wegzudenken — was im wesentlichen genau das ist: ein Zeitsprung.

Der Verstandesmechanismus des Selbstbetrugs

Ich kenne keinen anderen Film, der den Selbstbetrugsmechanismus des "Zeitsprungs durch Wegdenken" so direkt zum Thema hat und so kunstgerecht in allen Varianten vorführt. Japanische Filme wie dieser sind ohnehin dem viel plumperen Klischee der Hollywood-Produkte überlegen, indem sie anhand jugendlicher Charaktere das zarte und zugleich äußerst schmerzliche Wechselspiel feiner Gefühlsschattierungen und -Nuancen in den Vordergrund rücken und nachvollziehbar machen. Die unmittelbare Folge ist — aber eben nur bei dem Zuschauer, der bereit ist, sich hiervon treffen und berühren zu lassen — ein Zurückgehen an die Wurzeln der eigenen Persönlichkeit, wo sich die Wegscheide zwischen der eigenen authentischen Wahrheit einerseits und dem Abirren in Selbstbetrug und Verdrängung andererseits noch deutlich als solche zu erkennen gibt.

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GLR, 20.3.2010