Bewußtsein, Bewußtheit und ihre Relation zum Selbst

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Bewußtsein, Bewußtheit und ihre Relation zum Selbst

Sich etwas bewußt zu sein bedeutet, in einer Subjekt-Objekt-Beziehung dazu zu stehen. Auf der einen Seite befindet sich ein Betrachter, ihm gegenüber das Betrachtete. Die Subjekt-Objekt-Beziehung ist nur möglich in einer dualistischen Weltsicht, nach der sich ein Ich als Zentrum (innen) inmitten einer Umgebung (außen) befindet. Diese Sichtweise rührt aus der Selbstidentifikation mit dem Körper her. Der Körper wird zu einem selbst gehörig betrachtet, während alles andere als nicht zu einem selbst gehörig angesehen wird. Die konventionelle Sichtweise, wie sie dem Kind in der Erziehung beigebracht wird[1], beschränkt das Selbst auf den Körper und unterscheidet ein „eigenes“ Selbst (das "Ich") von anderen Selbsten (anderen Ichs) und von der weiteren Umwelt.

Jenseits der - üblicherweise als vorhanden unterstellten - Subjekt-Objekt-Beziehung gibt es unleugbar aber das Selbst (denn ohne dieses könnte keine Wahrnehmung stattfinden, könnte also niemand sein eigenes Vorhandensein bezeugen). Dieses ist jenseits von Dualität, ja es erweist sich erst als Voraussetzung jeglicher dualistischer Konzepte und Sichtweisen. Dieses Selbst ist voraussetzungslos gewahr. Es erfährt auch Bewußtheit wie Unbewußtheit gleichermaßen. Ein Beispiel für zweiteres ist das Wissen, geschlafen zu haben (und sich darin auch des Tiefschlaf-Zustandes gewahr gewesen zu sein). Es gibt also eine nichtdualistische Gewahrsamkeit, ohne Objekte, in der auch die Selbstidentifikation mit dem Körper entfällt.

Man kann das Selbst also auch als jene Qualität verstehen, die zu dualistischer Gewahrsamkeit (Bewußtheit) wie nichtdualistischer Gewahrsamkeit imstande ist und sich als „anwesend“ erlebt bzw. davon weiß, daß sie existiert. Dieses Selbst ist eigenschaftslos und unabhängig von Raum und Zeit, da es in keiner direkten Relation zur Manifestation des Körpers und der Welt steht. Vielmehr ist die Manifestation nichts anderes als die Wiederspiegelung des Selbst im Außen (wozu auch sämtliche „inneren“ Vorgänge, z.B. Gedanken und Gefühle zu zählen sind).


Bewußtsein und objektive Welt

Die Ursache des Leids entsteht durch die Wahrnehmung von Objekten. Wenn sie nicht da sind, gibt es auch keine damit verbundenen Gedanken, und Leid ist nicht möglich.

Wie bringt man Objekte zum Verschwinden? Es kommt darauf an, sie als Projektionen des Geistes zu erkennen. Sie haben aus sich selbst heraus keine Substanz.

Prüfen Sie diese Behauptung nach, und finden Sie selbst heraus, ob sie wahr ist. Das Ergebnis wird die Erkenntnis sein, daß die objektive Welt im subjektiven Bewußtsein entsteht. Das Selbst ist somit die einzige Wirklichkeit, die die Welt durchdringt und umschließt. Da es dort keine Dualität gibt, können auch keine Gedanken aufsteigen, um den Frieden zu stören. Das ist die Verwirklichung des Selbst. Das Selbst ist ewig, und somit auch seine Verwirklichung.

'Spirituelle Übung' besteht darin, sich in das Selbst zurückzuziehen, sobald man durch Gedanken gestört wird.

Nach Aussagen von Ramana Maharshi


Anmerkungen

  1. Gleichzeitig zeigt das Kind eine je nach Disposition mehr oder weniger starke eigene Neigung zur Identifikation mit sich selbst zugeschriebenen - positiven oder negativen - Eigenschaften, die es an sich ablehnt oder auf die es stolz ist.
Gerd-Lothar Reschke, 5.1.2008