Präsenz

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Bewußte Anwesenheit

Zentraler Arbeitsbegriff des Vierten Weges, aber auch anderer Lehren über das Bewußtsein wie z.B. Advaita. Gemeint ist bewußte Anwesenheit bzw. Besinnung auf das Selbst (auf sich selbst) im Gegensatz zur Identifizierung mit etwas anderem, z.B. etwas Äußerlichem oder eigenen psychologischen oder mentalen Vorgängen wie dem Inneren Dialog.

Das Falsche Selbstbild bzw. Ego versucht die Selbsterinnerung der Präsenz zu vermeiden, indem es sich in künstliche Vorstellungen und Einbildungen flüchtet. Durchschauen und Loslassen derartiger Täuschungsmanöver wiederum führt zu spontanem Erwachen in den gegenwärtigen Augenblick: die Aufmerksamkeit kehrt wieder zu ihrem Ursprung zurück.

Die Grundlage der Aufmerksamkeit

Präsenz, auch Selbsterinnerung genannt, ist die Grundlage allen bewußten Seins. Das direkte Wissen, zu existieren, kommt vor jedem anderen Wissen und jeder anderen Wahrnehmung. Dieses Wissen ist jederzeit verfügbar und braucht weder durch "spirituelle Übungen" noch durch irgendeine andere Form der Selbstdisziplin erlernt, trainiert oder erworben zu werden. Aber es ist immer nur im Hier und Jetzt, in der unmittelbaren Gegenwart, erreichbar, nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft, und auch nicht an irgendeinem räumlich entfernten Ort.

Selbstentwürdigung durch Selbstverlust

Präsenz kann einem nicht genommen werden; man kann sich ihrer nur selbst berauben: durch Gier, Sucht, Selbstablenkung und Zerstreuung der Aufmerksamkeit, also durch die im Alltagsleben allzu üblichen Formen der Selbstvergessenheit, durch die Menschen sich selbst entwürdigen und zu Vehikeln von Manipulation und Fremdsteuerung werden.

Die Institutionalisierung der Selbst-Erfahrung

Es gibt zahlreiche Ideologien, Philosophien, Pseudoreligionen und damit verbundene Glaubensrichtungen, Sekten, Kirchen und Kulte, die genau aus dieser Rückkehr zur Selbst-Erfahrung, also zur Präsenz, ein Versprechen und ein "Business" machen, indem sie Wege, Konzepte und Verhaltensweisen "verkaufen" (anpreisen und propagieren), mit denen man, wenn man ihnen folgt, angeblich irgendwann wieder "dahin" kommt und somit die tiefe Ruhe und Glückserfahrung, die in der Präsenz liegt, "erreichen" kann. Damit schiebt sich dann eine Vermittlungsinstanz zwischen den Betreffenden, der ja bereits das Selbst ist, und je mehr er versucht, zum Ziel seines Strebens zu gelangen, indem er den vielversprechenden Methoden bzw. Dogmen folgt, desto mehr entfernt er sich von sich selbst — gerade weil er in der falschen Richtung sucht.

Suche nach Präsenz im selbstvergessenen Alltag

Im "nicht-spirituellen" Alltagsleben wiederum sollen gesteigerte Lusterfahrungen, Konsum, Nervenkitzel, "Unterhaltung" sowie andere Selbst-Stimulationen dieses verlorengegangene Gefühl der Präsenz heraufbeschwören: auch hier wird wieder außerhalb von einem selbst nach Befriedigung und Erfüllung gesucht, und jedes kurzzeitige Aufblitzen von Zufriedenheit führt in die Sackgasse der Notwendigkeit von verstärkter Suche und nochmals intensivierter Stimulation.

Manchmal wacht ein Mensch zu sich selbst auf, wenn er merkt, wie vergeblich, dumm und überflüssig alle derartigen Experimente sind.

Gerd-Lothar Reschke, ca. Sep. 2007, 28.5.2008
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