Innerer Dialog
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Der Illusionsmechanismus
Von Don Juan Matus, dem Lehrer von Carlos Castaneda, eingeführter Begriff für das pausenlose innere Mit-sich-selbst-Sprechen, das die Wahrnehmung des aktuellen Jetzt ersetzt und stattdessen in eine mentale Schein- oder Traumwelt entführt.
Innerer Dialog ist eine Form der Identifizierung und dient dazu, das falsche Selbstbild zu affirmieren.
Die entscheidende Schwachstelle
Don Juan Matus wies hellsichtig darauf hin, daß mit Eingeständnis und Gewahrwerden des Inneren Dialoges die entscheidende Schwachstelle des Illusionserzeugungs-Apparats Verstand ausfindig gemacht ist. (Auch das Zen arbeitet mit dieser Erkenntnis als wesentlicher Grundvoraussetzung. Prinzipiell sind aber sämtliche mystischen und schamanischen Traditionen mit diesem Ansatz vertraut und zählen ihn zu den Hauptsäulen ihrer Lehren.) Das Stoppen des automatischen Wortbildungs-Mechanismus führt nach Don Juan Matus zum direkten Anhalten der Welt, also zu einem sofortigen Zusammenbrechen der alltäglichen Wirklichkeit. Im selben Augenblick entpuppt sich diese als pure Konvention und als verschieden von der Wahrheit des reinen Seins.
Sprache erschafft die ihr zugehörige Wirklichkeit
Auch der Philosoph Ludwig Wittgenstein fand (auf anderem Wege) heraus, welche Bedeutung die Sprache bei der Etablierung der alltäglichen Wirklichkeit spielt: sie baut diese erst auf.
Selbstbild, Persönlichkeit und Innerer Dialog
Nähere Untersuchungen der Beschaffenheit des Inneren Dialogs finden sich v.a. beim Vierten Weg, so bei der Erforschung des Inneren Sich-Richtens als Erscheinungsform von Identifizierung sowie bei der falschen Arbeit des Formatorischen Zentrums (Wortbildungsfunktion des Intellekts) oder auch beim überflüssigen Reden oder bei der Angewohnheit des Lügens. Es kann beobachtet werden, wie der Innere Dialog des Egos stets um unzureichende Anerkennung seitens anderer Menschen, um "Ungerechtigkeiten", angeblich fehlende Bewunderung und die Erwartung auf mehr Lob, Respekt, Fürsorge und Liebe kreist.
Dieses ständige Reden-mit-sich-Selbst nimmt den Großteil der Lebenszeit eines gewöhnlichen Menschen ein. Umso bemerkenswerter (und aufschlußreicher) ist es aber, daß dieser offenkundige und von jedermann verifizierbare Umstand von der gängigen Kultur komplett vertuscht und auch von den sogenannten Experten der Psyche niemals angemessen thematisiert wird. Und dies umso weniger, wie diese Kultur sich auf vorwiegend intellektuelle Errungenschaften und Konzepte stützt.
| Gerd-Lothar Reschke, ca. Sept. 2007, 18.9.2008 |
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