Gott

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Untersucht man die Gottesvorstellung genauer, so entpuppt sie sich als dualistisches Konzept. Nach geläufigem Verständnis (ich beziehe mich auf die herkömmlichen westlichen Traditionen wie Christentum oder Judentum) handelt es sich bei Gott um eine dem einzelnen Menschen gegenüberstehende höhere Instanz, Macht oder sogar Person (von der gesagt wird, sie hätte die Welt erschaffen, wäre allmächtig und würde die Geschicke des Lebens leiten). Als Gegenbild oder Alternative dazu wird die als nichtreligiös betrachtete Perspektive diskutiert, nach der der einzelne Mensch Maß aller Dinge sei, frei und nur sich selbst unterworfen, und jede Wahrheit sei nur die eigene Wahrheit.

Diese beiden Sichtweisen, die sich scheinbar komplett widersprechen, sind beide unzutreffend, denn beide lokalisieren Gott bzw. irgendeine (meistens nicht genauer spezifizierte) Qualität von "Göttlichkeit" entweder bei sich selbst oder nicht bei sich selbst. Im selben Moment, wo dieses Konzept generiert wird, führt es zu Widersprüchen. Diese Widersprüche ergeben sich, und das ist gar nicht so schwer zu verstehen, unmittelbar aus dem dahinterstehenden dualistischen Denken. Man kann auch sagen, daß die Gottesvorstellung unmittelbare Konsequenz dieses Denkens ist — sei es nun die eine (nach außen weisende) oder die andere (auf sich selbst als Zentrum verweisende) Variante. Fällt dieses dualistische Denken fort, so fällt im selben Moment auch die Beschäftigung mit jeglicher Gottesvorstellung und mit allen damit verbundenen Glaubensrichtungen und Ideologien weg. Was übrig bleibt, ist diejenige Einheit, die immer schon da war und die nicht an Einzelinstanzen festzumachen ist. In der Einheit ist alles unterschiedslos enthalten, da gibt es weder Hierarchie noch "mächtiger" oder "ohnmächtiger", noch gibt es davon ableitbare Qualitäten.

Gerd-Lothar Reschke, 8.1.2009
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